Was dazu gehört

Jul 21, 2011 von

Wenn ich früher vom literarischen Schreiben träumte, so sah ich mich in meiner Vorstellung Tag für Tag an meinem Schreibtisch sitzen und Seite für Seite schreiben. Ich dachte an feste Schreibzeiten, in denen ich konzentriert und zielstrebig an meinen Geschichten und Romanen schreiben würde. Und am Ende jedes Schreibarbeitstages sah ich mich zufrieden die Seiten zählen, die ich geschafft hatte.

Jetzt, da ich seit Beginn diesen Jahres nun Ernst gemacht habe mit dem literarischen Schreiben hat die Realität nur bedingt etwas mit meiner Vorstellung zu tun. Ja, es gibt Tage, an denen ich mehrere Stunden schreibe und in denen es so ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber, diese Tage sind deutlich rarer als gedacht. Vielmehr gibt es zusätzlich Tage, an denen ich vor allem nachdenke, in mich fühle und meinen Figuren nachspüre. Es gibt Tage, an denen ich hadere und kämpfe – mit mir, meinen Ansprüchen und Blockaden. Es gibt Tage, an denen ich nicht ein Wort an meinen Geschichten schreibe, ja, nicht einmal wirklich an sie denke. Es gibt Tage, an denen ich unzufrieden bin, weil ich scheinbar nicht vorankomme und dann gibt es welche, an denen ich nur wenige Sätze schreibe, mit denen aber so zufrieden bin, dass ich den ganzen Tag über leicht und beschwingt bin.

Ich habe versucht, mich immer wieder auf meine ursprüngliche Vorstellung vom Schreiben einzustimmen. Ich hatte die Idee, mich mit genug Selbstdisziplin dazu bringen zu können, in einem festen, täglichen Rhythmus meine Stunden herunterzuschreiben. Ich wollte diesem Bild der Schriftstellerin entsprechen. Inzwischen lasse ich aber immer mehr los, was ich da an Phantasien im Kopf hatte, denn ich erkenne, dass zum Schreiben so viel mehr gehört, als die Stunden, in denen man tatsächlich Text produziert. Auch das Ringen und Hadern gehört dazu, all die Schwankungen in Stimmungen und Gefühlen tun es, auch das Beobachten und Wahrnehmen und das Sacken und Reifen lassen. Und je mehr ich mir diese vermeintlich „unproduktiven“ Phasen als Arbeitszeit meiner Schriftstellertätigkeit zugestehe und erkenne, dass sie ein wichtiger Bestandteil des Schreibens sind, desto zufriedener werde ich. Denn dann kann ich ja sagen zu diesen Prozessen, kann mich ihnen hingeben und sie surfen.

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5 Kommentare

  1. Hallo Frau Konnerth,
    dieser Text hat mich heute morgen so richtig aufgebaut. Ich glaube, ich werfe mir auch zu oft mangelnde Selbstdisziplin vor. Das schlimme ist, dass mich diese Vorwürfe dann erst richtig runterziehen und vom Schreiben abhalten. Ich werde mir zu diesem Text ein Lesezeichen setzen, um mir immer wieder vor Augen zu halten, dass auch diese Zeit des Haderns mit dazu gehört. Und natürlich um immer wieder zu sehen, dass ich nicht alleine dieses „Problem“ habe. (Was ja eigentlich gar kein Problem ist bzw. keins sein sollte:-)).
    Mit vielen lieben Grüßen
    Monika Rosenbaum

    ________________________

    Liebe Frau Rosenbaum,

    freut mich sehr, dass ich Ihnen da einen Impuls geben konnte!

    Herzlich,
    Tania Konnerth

  2. Liebe Frau Konnerth,
    ich möchte dazu folgendes anmerken, schreibe ebenfalls gerade einen Roman. Auf Seite 57 nochmals zu schreiben begonnen, jetzt auf Seite 97 bin ich nochmals dabei mein Konzept zu überarbeiten. Deshalb glaube ich, dass es besonders wichtig ist, dass man sich eine gewisse Arbeitsroutine aneignet. Beispielsweise, dass man vor dem eigentlichen Schreiben Schauplätze recherchiert, dass man die Figuren entwirft und ein Treatment schreibt. Wenn man ein funktionierendes Konzept hat, auf das man in schwierigen Zeiten zurückgreifen kann, nutzt man auch die Zeit besser. Habe ich Moment ebenfalls sehr viel Zeit zum Schreiben, da es beruflich im Moment etwas ruhiger geworden ist. Ich versuche jede freie Minute dem Schreiben zu widmen. Tageträumen versuche ich gezielt während ich Notizen schreibe, die ich ständig zu überarbeiten versuche etc Ich denke an Ken Follet (dessen Bücher ich nicht so gerne mag), doch Ken Follet hat gemeint, dass er erst mit dem Schreiben beginnt, wenn er eine Kurzfassung von zirka 40 Seiten vor sich hat, die ständig überarbeitet, prüft etc… Ich habe vor einigen Jahren einen Roman geschrieben, für den ich nie einen Verlag gefunden habe, ich habe Berge Recherchen etc, habe den Roman überarabeitet, überarbeitet, teilweise neu geschrieben… Diesmal möchte ich es anderes angehen: Ich entwickle erst Figuren und Geschichte, recherchiere dann schreibe ich die Rohfassung.
    Alles Liebe
    Elisabeth

    • Tania

      Liebe Elisabeth,

      ja, so gehen, soweit ich weiß, viele Schriftsteller/innen vor, vor allem solche, die Roman schreiben, in denen es tatsächlich um Fakten und Details geht. Ich persönlich konnte bisher nicht so arbeiten, aber das hängt, denke ich, einfach auch von der Art des Textes ab.

      Viel Erfolg und weiterhin viel Schreiblust für Sie,
      Tania

  3. Vielen Dank für diesen Artikel!

    Ich bastle seit Jahren an meinem Manuskript und hatte immer Freude daran. Und ich hatte immer davon geträumt, mehr Zeit fürs Schreiben zu haben.
    Nun habe ich diese Zeit. Doch seit ich von mir einen festen Schreibrhythmus erwarte, seit ich von mir Ergebnisse erwarte, erwarte, dieses Projekt endlich zu einem guten Abschluss zu bringen…seitdem arbeite ich unproduktiver denn je.
    Früher habe ich mühelos drei Seiten pro Tag runtergeschrieben, jetzt arbeite ich so selbstkritisch, dass ich bei jedem Absatz hängen bleibe.

    Man kann wohl nichts erzwingen, auch nicht mit genügend Zeit. Leider…

    Liebe Grüße,
    Christine

    • Tania

      Liebe Christine,

      mein Tipp wäre, die Selbstkritik wieder ein bisschen zu reduzieren und dafür mehr Freude zu mobilisieren. Freu Dich darüber, dass Du so viel Zeit mit dem verbringen kannst, was Du gerne machst! Genieße es einfach, egal, was dabei herauskommt. Selbstkritik in dieser Phase bremst leider die meisten Menschen extrem aus.

      Alles Gute,
      Tania

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