Mitgefühl

Dez 16, 2011 von

 Das Mitgefühl mit uns selbst schenkt uns das Vermögen, die Verurteilung in Vergebung zu verwandeln, den Hass in Freundschaft und die Furcht in Respekt vor allen Lebewesen.“

Jack Kornfield

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6 Kommentare

  1. Zeit meines Lebens war ich immer sehr hart zu mir selbst, unnachsichtig und ohne Mitgefühl für mich selbst. Seit ich Verständnis für mich selbst aufbringen kann, mir nachsichtig auch selbst verzeihe, bin ich milde geworden auch allen/m anderen gegenüber.

  2. Susanne

    Mitgefühl mit uns selber,und vor allem Selbstliebe und Selbstannahme sind wohl die wichtigsten Voraussetzungen um ein glückliches Leben zu führen.
    Das hat nichts mit Egoismus zu tun!!!!

    Wer vergeben kann ist frei!!!!!!

    Alles Liebe
    Susanne

  3. Eddie

    Geschichte einer Transformation

    “Egal, wie extrem die Umstände, es lässt sich ihnen einfühlsam begegnen. Als ich einmal mit dem Zug von Washington nach Philadelphia fuhr, sass ich neben einem Afroamerikaner, der früher im Auswärtigen Amt in Indien gearbeitet hatte und nun Leiter eines Jugendgefängnisses im District of Columbia war. Die Jugendlichen, die dort einsassen, waren meist Gang-Mitglieder, die einen Mord verübt hatten.

    Einmal war ein vierzehnjähriger Junge inhaftiert, der einen unschuldigen Teenager erschossen hatte, um sich in seiner Gang zu beweisen. Bei der Gerichtsverhandlung war die Mutter des Opfers anwesend. Nach der Urteilsverkündung stand sie auf und sagte ruhig zu dem Verurteilten: „Ich bringe dich um.“ Der wegen Mordes verurteilte Junge musste für mehrere Jahre in die Jugendstrafanstalt.

    Nach einem halben Jahr begann die Mutter des ermordeten Jungendlichen den Mörder in unregelmässigen Abständen zu besuchen. Er hatte vor seinem Gefängnisaufenthalt auf der Strasse gelebt, und sie war die Einzige, die ihn besuchen kam. Sie sprachen miteinander und beim Verabschieden gab sie ihm etwas Geld für Zigaretten. Langsam begann sie ihn in immer regelmässigeren Abständen zu besuchen, brachte ihm Essen und kleine Geschenke mit. Gegen Ende seiner dreijährigen Haftstrafe fragte sie ihn, was er nach seiner Entlassung tun würde. Er wusste es nicht recht, also schlug sie vor, er könne in der Firma eines Bekannten arbeiten. Schliesslich fragte sie, wo er wohnen würde, und da er keine Familie hatte, in die er zurückkehren konnte, bot sie ihm an, er könne vorübergehend das freie Zimmer in ihrer Wohnung benutzen.

    Er wohnte acht Monate lang bei ihr, ass ihr Essen und arbeitete in der Firma. Eines Abends bat sie ihn zu einem Gespräch ins Wohnzimmer. Sie setzte sich ihm gegenüber und begann nach einer Weile: „Erinnerst du dich an meine Worte im Gerichtssaal, dass ich dich umbringen würde?“
    „Natürlich“, antwortete er, „diesen Moment werde ich niemals vergessen.“
    „Nun, ich habe Wort gehalten“, fuhr sie fort. „Ich wollte nicht, dass der Junge, der meinen Sohn grundlos umgebracht hatte, am Leben blieb. Er sollte sterben. Deshalb habe ich dich besucht und dich beschenkt. Deshalb habe ich dir Arbeit besorgt und dich hier in meinem Haus wohnen lassen. Das hat dich verändert. Und jetzt gibt es diesen alten Jungen nicht mehr. Da es nun meinen Sohn und seinen Mörder nicht mehr gibt, würde ich gern wissen, ob du hier bleiben möchtest. Es gibt genügend Platz, und wenn du einverstanden bist, werde ich dich adoptieren.“

    Und so wurde sie für den Mörder ihres Sohns zu jener Mutter, die er nie gehabt hatte.“

    (Aus: Jack Kornfield, Offen wie der Himmel, weit wie das Meer, Worte der Weisheit für Vergebung und Frieden, Seite 50 – 52, Ullstein Taschenbuch, 1. Auflage 2006)

    • Matthias Lotz

      Hallo Eddie,

      Danke für diese Geschichte. Sie hat mich sehr berührt und mir ist ein Schauer über den Rücken gelaufen. Besser kann man Vergebung und Liebe nicht darstellen. Ich habe in der Zeit, als ich in Frankfurt/Main als Referendar beim Jugendstaatsanwalt war, einen Prozeß gegen einen 18jährigen erlebt, der eine 27jährige Taxifahrerin nach versuchter Vergewaltigung mit vielen Messerstichen ermordet hat, und ich war erschüttert. Die Mutter war Nebenklägerin, aber es ist ihr – vielleicht wegen ihres Glaubens an Gott und die Liebe – gelungen, den Täter nicht zu verurteilen bzw. zu verfluchen. Ich habe sie und ihren Mann damals sehr bewundert, ich weiß nicht, ob ich eine solche Größe hätte.

      Nur die Liebe ist zu so etwas fähig, und für mich ist es immer wieder ein Zeichen, daß Gott existiert, wenn ich so etwas erfahre.

      Ich wünsche Dir und allen Lesern hier noch einen schönen, erfüllten und berührenden Tag.

      Matthias 🙂

    • Mundi

      eine wunderbare Geschichte, die mich tief beeindruckt hat. Danke für diese Gedanken

  4. Eine wunderbare Geschichte. Sie lässt darüber nachdenken welche Stärke noch im tiefsten Leid vorhanden ist und wie wichtig doch Vergebung ist.

    Danke für den Denkanstoß
    Renate

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