Leben verstehen?

Nov 4, 2011 von

Ich habe in den letzten Jahren sehr viel Energie darin investiert, das Leben verstehen zu wollen. Wenn ich nur begreifen würde, wie es funktioniert, dann würde ich es in den Griff bekommen, dachte ich. Dann würde ich es meistern können. Ich würde dann alles richtig machen und mir würde nichts Schlimmes mehr geschehen.

Meine eigene Naivität rührt mich inzwischen, denn ich sehe die Not, aus der ich so verzweifelt zu kontrollieren versuchte, was nicht kontrollierbar ist. Es waren angstmotivierte Impulse, die mich trieben und ich schuf mir ein Korsett aus Erkenntnissen und daraus abgeleiteten Gesetzen, das mir nichts als die Illusion von Sicherheit gab und mich dabei auch noch nach und nach ersticken ließ.

Und dann sagte das Leben eines Tages: „Schluss damit!“ und schlug mit der Faust auf den Tisch, dass es nur so krachte. Seitdem wird mir immer klarer, dass ich das Leben nie verstehen werde, ja, nicht einmal verstehen muss.

Das Leben kann man nur leben, sonst nichts.

 

„Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen,
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.“

Rainer Maria Rilke

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26 Kommentare

  1. Detlev

    Danke Tania – mehr Worte bedarf es diesmal nicht

  2. Eugen

    Liebe Tania,

    zunächst einmal ist es ja nicht so einfach, das Leben wirklich zu verstehen. Und auch wenn einer darin Fortschritte gemacht hat,dann bedeutet das ja noch lange nicht, dass er/sie das Leben dann im Griff hat. Selbst wenn ich verstanden haben sollte, was zu tun ist, können mir meine Emotionen, meine Unfähigkeiten und meine Umwelt einen gewaltigen Strich durch meine „vernünftige“ Rechnung machen. Das ist ja wohl deine Erfahrung.
    Aber: Das Leben verstehen zu wollen, ist offenbar ein intensives menschliches Bedürfnis, an dem wir – der eine mehr, die andere weniger – überhaupt nicht vorbei kommen. Und es macht durchaus Freude, wenn ich das Leben etwas besser begreife, schon die Beschäftigung damit ist spannend. Das ist doch schon wesentlich mehr als nichts. Wir dürfen nur nicht den falschen Schluss ziehen, dass die bessere Erkenntnis sozusagen zwangsläufig zu zu einem besseren Leben führt. Der Lohn der Erkenntnis liegt zunächst einmal nur in der Freude an ihr.

  3. Klaus

    Was verstehst Du unter „Leben“ ?
    Das Individuum physisch und psychisch ? Kann man das trennen? Wohl nicht.
    Ist es Verhalten und Denken ( Wollen und Können )- das ist bei Tieren einfacher – sie leben körperlich ( mit allen Sinnen ) und verhalten sich instinktiv. Ein Kind kann diesen Zustand naiv ( positiv gemeint! ) erleben.
    Wir „Erwachsene“ müssen als Menschen unser Verhalten planen ( ob wir wollen oder nicht ) und dann wird es schwierig, weil wir ja nicht alleine sind.
    Verhalten heißt jetzt verantwortlich handeln für sich, für die Umwelt, für die Menschen, Tiere und Pflanzen.
    Tanja, ich las, dass du dich gut mit Pferden verstehst, ist das nicht auch „Leben lernen“. Ich denke es ist nicht naiv oder dumm, das Leben lernen zu wollen. Sagt nicht auch ein großer Philosoph nach dem Studium:“ Jetzt weiß ich, dass ich nichts weiss“

    Entschuldige meine Belehrung, aber dein Blog ist ja Mit-Teilen und da darf man ja so mal antworten- oder?

    Übrigens glaube ich auch, dass Künstler, gleich ob Bild- oder Musik- oder andere Künste einen Versuch darstellen das Leben verständlich, bildhaft oder hörbar zu machen.

    Gerne lese ich Dich!

    Herzlich

    Klaus

    • Tania

      Hallo Klaus,

      ich empfinde Deine Zeilen nicht als belehrend, ich freue mich über Kommentare!

      Den Hinweis auf die Pferde (Tiere, Natur) finde ich sehr passend – können wir da nicht genau sehen, was Leben heißt? Ich für mich persönlich denke, dass wir Menschen oft versuchen, alles im Kopf zu regeln. Aber Leben findet eher nicht im Kopf statt, zumindest merke ich das gerade.

      Tania

    • Antonia

      Lieber Klaus,
      ich teile deine Meinung, außer in einem Punkt und zwar das Kinder diesen Zustand naiv erleben. Leider ist dies heute nicht mehr so die Kinder heute werden sehr schnell damit konfrontiert das in der Kindheit sich alles entscheidet also das man jetzt noch alles vor sich hat, das man entscheidet was man später machen möchte, wofür man lernt.
      die Kinder leiden so unter großem Druck, nicht wegen den Eltern {meistens} sondern weil sie angst haben, angst davor sich falsch zu entscheiden, Angst davor nicht gut genug zu sein, daraus bildet sich dann auch das Kinder in der Schule Unsinn machen das ist eine Art Protesst das die meisten Kinder aber gar nicht merken, die Eltern denken oft das die Kinder nicht verstehen worum es geht, sie denken das wir Kinder uns darüber keine Gedanken machen aber so ist es nicht, die Kinder haben Angst.
      früher war dies nicht so man musste kein Abbi haben um was zu sein heute steht man oft selbst mit Abbi auf der Straße und wir Kinder bekommen das doch mit ich meine glauben die Erwachsenen das wir doof sind…¿¿
      Also ich bin 13, ich mache mir viele Gedanken ich möchte das leben verstehen habe aber sehr schnell begriffen das das unmöglich ist.Ich und viele andere Kinder wünschten sehr das man das leben so naiv sehn könnte, früher haben sich die Kinder mit 5-10 Jahren gewünscht Prinzessin oder Astronaut zu werden, heute wünschen die sich zu studieren und Anwalt oder Mediziener zu werden in dem selben alter.
      wir versuchen dies mit handy spielen und Regeln zu brechen einfach zu vergessen, ich denke das sich das alles im unterbewusst sein abspielt und noch viel mehr.

      liebe grüße-antonia

      • Antonia

        wir versuchen unser leben besser zu planen wie die Erwachsenen und glaube das wir darüber viel mehr nachdenken als ihr.

        • Klaus

          Liebe Antonia,
          wie schön dass Du meine Zeilen zum Lebensverständnis gelesen und kommentiert hast.
          Als naiv fühlendes Kind meine ich wirklich kleine Kinder bis 5 Jahre ( so alt sind meine Enkel) und bei diesen sehe ich, wie sie noch die Wunder der Welt staunend erleben und mit viel Fantasie weiter träumen.
          Du hast recht, einem Jugendlichen bleibt wenig Platz zum träumen. Die Fantasie wird durch Kriegs-, Porno-,Werbe- und Konsumbilder durch die Medien „tot“ geschlagen. Was bleibt ist oft eine zestörte reale Welt, in der man traumlos agiert. Sogar die Spiele und die Kommunikation ist oft nur Momentsache ohne Zukunft. Und dann, Du sagst es, bleibt nur das Planen, fast möchte ich sagen streben.
          Hör dir mal auf youtube oder anders das „Lied von der Unzulänglichkeit“ ( Bertold Brecht ) an.
          Herzliche Grüße
          Klaus

  4. liebe Tania,
    das Leben verstehen versuche ich erst gar nicht. Schon während des Studiums der Biologie und Chemie wurde mir klar, dass mit jedem kleinen Mosaikstein an Erkenntnis, den wir der Natur – dem Leben, wie „bios“ übersetzt heisst, entreissen, mit jeder Frage, die wir glauben beantworten zu können, sich wieder neue, noch mehr Fragen stellen und wieder nach neuen Mosaiksteinchen gesucht werden muss.
    Ich begreife ja nicht einmal meine Existenz. Ein Samen aus Milliarden, ein Ei aus Tausenden, und ich bin. Und wer wäre ich, einen Monat später? Ich wäre jedenfalls nicht, ein anderer, eine andere?
    Mit diesem Geschenk sollten wir verantwortlich umgehen, also leben. Verstehe das Leben, wer kann.
    Je mehr ich in meinem Garten lebe, desto mehr staune ich. Noch mehr, als über das Mikroskop gebeugt während des Studiums.
    Leider versuche auch ich, mich selbst zu verstehen, grabe in meiner Vergangenheit und in meinem Inneren. Hier etwas zu finden, hilft einem weiter, aber es erklärt trotzdem nicht, wer ich bin und warum ich bin und warum ich so bin, wie ich bin.
    Damit müssen wir klar kommen: wir WISSEN es nicht. Wenn es einer weiss, dann unser Bauch, oder unser Gefühl, oder unsere Seele. Lauter vage Begriffe, Wortschöpfungen, die nur zeigen, wie sehr wir versuchen, mit unserem Verstand das Unbegreifliche begreifen zu wollen.
    Ich hoffe, ich komme dir jetzt nicht schulmeisterlich, aber auch ich bin schon „per aspera ad astra“ gestolpert, bzw. ich bin auf dem Weg dorthin, hoffentlich. Ankommen werde ich wohl nie. Keiner von uns, denke ich.

    liebe Grüße
    Karin

  5. Allerliebste Tania,
    seufz. Ich glaube, in diesen Tagen begreifen wir alle, dass „Verstehen“ nur ein klitzeklitzekleiner Ausschnitt ist aus dem, was LEBEN ausmacht oder IST.
    Paradoxerweise ist es doch so, dass, wenn wir aufhören und aufgeben, das Leben verstehen zu wollen, es sich doch erst in seiner ganzen Pracht zeigen kann 🙂
    Je mehr ich aufgebe, alles verstehen und im Griff haben zu wollen, umso freier werde ich und umso mehr LEBE ich…
    Ich schicke dir liebe lebendige Grüße
    von Herz zu Herz 🙂
    Silke

  6. an Silke unbekannterweise:

    du drückst es sehr schön aus, was Freiheit ist, nämlich die Freiheit zu haben, nicht alles im Griff haben, nicht alles begreifen wollen.

    Wir können nun mal nicht an nichts denken, sondern immer nur an etwas. Und in dem Moment wird das etwas für uns reel vorhanden.
    Das ist die Sache mit dem „denke NICT an einen rosa Elefanten“, und schon sieht jeder einen solchen.

    In unserem Kopf ist kein dualas System, von wegen IST und IST NICHT, alles,was wir denken, ist.

    Also ist „nicht mehr an verstehen wollen“ eine Befreiung von dieser gedanklichen Umklammerung.so sehr Planen und Denken notwendig ist, so sehr hält es uns gefangen.
    Du drückst das schön aus: dass sich das Leben in seiner vollen Pracht zeigen kann. Dafür müssen wir aber erst nicht mehr mit dem Verstand tätig sein, denn der dreht sich gern im Kreis. So ein Ausstieg ist ziemlich schwer, aber nicht unmöglich. Zwischendrin mal nicht planen, nicht steuern oder bestimmen wollen, das ist die echte Freiheit.

    Grüße
    Karin

  7. Liebe Tanja,
    solange es uns richtig gut geht, ist es einfach im Hier und Jetzt zu leben und das Leben so zu nehmen, wie es ist. Doch wenn wir unzufrieden mit der Situation sind und es nicht so läuft, wie wir uns das erträumten, ist das nicht mehr so einfach. Wir beschäftigen uns dann gedanklich mehr mit dem was wir nicht haben, als das dankbar anzunehmen, was uns täglich geschenkt wird. Aber dazu braucht man vielleicht eine rosarote Brille. Und ist es nicht oft so, dass wir uns in eine Idee verlieben, die sich partout nicht verwirklichen lässt. Wir hadern dann mit dem Leben und fühlen uns schlecht. Lassen wir dann irgendwann einfach los und wenden uns anderen Dingen zu, erkennen wir, dass das Leben etwas anderes mit uns vorhatte. Und das ist im nachhinein betrachtet oft die bessere Lösung. Also leben und lieben wir dieses Leben, weil es spannend und einzigartig ist.
    Ganz liebe Grüße
    Ursula

  8. Romana

    ich kann sehr gut verstehen, dass sich hin und wieder etwas oder auch viel um das :wenn ich nur schon mal…. dreht.
    was ist mit dem denkansatz, dass wir nur „trägermasse“ für unsere seelen sind, die die aufgabe vom universum bekommen haben, möglichst viele aufgaben zu bewältigen und an diesen aufgaben zu wachsen?
    wäre es nicht eine schöne aussicht, das im hinterkopf zu haben und somit auch mit tiefschlägen und störungen wertschätzend umgehen zu können, weil auch sie uns helfen, unsere seelen weiter zu entwickeln?
    meine bisherigen tiefschläge habe ich in der situation natürlich auch nicht geliebt. aber jetzt, wo ich ausreichend (vermutlich aber noch nicht genug – wer weiss) störungen und herausforderungen erlebt habe kann ich sagen, mein JETZT ist wunderbar. ich bin genug im jetzt, weil ich all das erleben durfte/musste/ konnte, was ich erlebt habe.
    was für ein schöner trost zu wissen, dass alles einen zweck hat.

  9. Sonja

    Liebe Tania,
    ich freue mich jedes Mal wenn Dein Newsletter mich erreicht, diesmal haben mich Deine Zeilen besonders berührt, ich erkenne mich und meine Situation, mein Jahr 2011 wieder und auch mein „aufgeschobenes“ Leben,…
    auch ich befinde mich in einem riesigen Umbruch und in meinem Leben ist seit Mitte 2010 kein Stein auf dem anderen geblieben, auf diesem Weg gab und gibt es viele Abschiede, große und kleine und manchmal denke ich auch, wenn ich wieder Kraft habe, dann …
    und wie recht Du hast, dass es ums Jetzt geht,…
    Ich wünsche Dir viel Kraft 🙂 im Hier und Jetzt und auch für die Zukunft, und möchte Dir sagen, dass ich mir sicher bin, dass Deine Worte, Bilder,… vielen Menschen – so wie mir – sehr viel bedeuten.
    Von Herzen alles Liebe
    Sonja

  10. Günther

    Liebe Tania,
    wenn ich Deine Texte (immer wieder)lese,
    habe ich nicht den Eindruck, dass Du auf einem falschen Weg warst …..
    Denn wenn Du einen anderen (?welchen?)Weg gewählt hättest;
    hättest Du auch nicht Deine heutige Erkenntnis haben können.

    Und …. die schönen Augenblicke? Möchtest Du (im nachhinein) darauf verzichten;
    auch wenn jetzt eine Ent-Täuschung folgte?

    Wenn man sich neue Ziele setzt, ist das wohl gut und richtig!

    Aber wo sie Dich hinführen werden,
    kannst Du am Anfang des Weges nicht erkennen. Oder?

    Ein gutes „Händchen“, bei all Deinem Tun,
    viel Erfolg und ein gutes Stück Glück dabei.

    Dein eifriger Leser,
    Günther >>> Danke für Deine guten eMails, Texte und Gedanken.

  11. Tania

    Herzlichen Dank an alle für Eure Zeilen!

    Und nein, es stimmt, Günther, ich möchte nicht auf meine Erfahrungen verzichten, trotz allem nicht.

    Tania

  12. marta

    Hallo Tania,
    bevor ich weiter schreibe möchte ich einfach nur Danke sagen, dass du mich teilhaben lässt an deinen Gedanken,Bildern und vieles mehr was du von dir offenbarst!

    Das Leben verstehen ? Wird nie ein Mensch in der Lage sein, zumindest ist dies meine feste Überzeugung. Den Ablauf von Erieignissen und hier vor allem unser „Agieren“ jedoch kann der Mensch wohl versuchen zu verstehen und zu hinterfragen. Dies mache ich fast mein ganzes Leben lang und traue mir zu, dass ich dadurch „mein“ Leben nicht in seiner Gesamtheit, aber in Teilbereichen verstehen gelernt habe.
    Das Problem ist tatsächlich wie du dies auch erkannt hast und schreibst, seine „Lebensmuster-reaktionen“ neu zu gestalten, oder völlig neue Wege zu gehen.

    Das einzige was ich glaube zu verstehen in meinem Leben ist, dass Alles nach der „Regel“ Ursache und Wirkung funktioniert.

    Das heißt für mich, alles was ich tue oder unterlasse hat Bedeutung in diesem persönlichen „Regelkreis“ – so verstehe ich „mein“ Leben.

    Dir alles Gute und fühl dich *umarmt*
    Marta

  13. Stefan

    Liebe Tania,

    das mit dem Verstehen kann schon faszinierend sein – wenn ich z.B. verstehe, wie eine Wüstenspringmaus in der Wüste überlebt, der Eisfisch im antarktischen Meer nicht einfriert etc., wie das Gehirn funktioniert etc.

    Ich bin zum ersten Mal auf deiner Website – zu einem Zeitpunkt, wo ich überlegt habe, was ich noch alles verstehen, lernen muß bevor ich „mein Projekt“ starte – wo ich mir bereits gestattet habe, mal eine zeitlang keine Ahnung zu haben, alles auf Null zu stellen, neu zu betrachten wie ein Kind. Und dann fällt mir auf, dass ich ja nichts vorzuweisen habe, meine Vita keine öffentlich verwertbaren Daten enthält. Ich habe kein Buch geschrieben, keine CD veröffentlicht, keinen gutbesuchten Vortrag gehalten, kein Wissenschafts- oder Seminarkonzept entwickelt. Man sagt, dass ich Menschen gut erreiche, dass ich sie verstehe, fühle, in ihrem Herzen berühren kann. Ja, das glaube ich auch.

    Mit dem Verstehen, das ist so: wenn ich ein Ding verstehen möchte, muß ich mich konzentrieren, genau auf den Punkt schauen, wo das Ding „passiert“. Wenn ich die Welt verstehen will, dann ist das anders, dann muß ich mich weit machen, die ganze Welt hinein lassen. Und was ich dann erfahre, das nenne ich Liebe.

    Nur – wem nutzen diese Gedanken, wenn ich sie für mich behalte. Jetzt habe ich einen davon mit dir geteilt ….

  14. Thomas

    Hallo Tanja,

    ähnlich wie du versuche ich auch schon seit einigen Jahren das Leben zu verstehen.
    Doch wie will man „das Leben verstehen“ definieren?
    Jeder versteht darunter etwas anderes. Für mich bedeutet es, die Hintergründe zu verstehen – oder besser gesagt – verstehen zu wollen!
    Warum läuft jenes so und dieses so und was kann ich mit diesem Wissen anfangen? Und dies ist ein langer Prozess und ein gewaltiges Problem dabei ist, das man selber keine Rückmeldung erhält, ob man auf dem richtigen Weg ist.
    Eine Zeit lang dachte ich dies, doch dann kam (wie du auch beschrieben hast) die „Faust auf dem Tisch“ und ich fühlte mich geistig zurückversetzt, als ob ich in all den Jahren nichts dazu gelernt hätte, als wenn alles umsonst gewesen wäre. Eine tiefe Leere breitete sich in mir aus.

    Doch ich ließ mich nicht runterziehen von dieser Leere. Klar brauchte es eine Zeit, soetwas zu verarbeiten. Und ich bin noch nicht ganz darüber hinweg, aber ich befinde mich auf einem guten Weg. Und was ich verstanden habe ist die Tatsache, dass es in meinem Leben (sowie in jedem anderen Leben) immer diese „Faust auf den Tisch“ geben wird. Denn hinter dieser Faust steckt auch ein tieferer Sinn, dessen bin ich mir sicher. Wir sind hier um damit konfrontiert zu werden, um zu zeigen „Ja, ich kann damit umgehen, und ich werde mir mein Leben nicht davon kaputt machen lassen, stattdessen will ich daraus lernen.“
    Deswegen bin ich auch jetzt noch fest davon überzeugt, dass es zumindest meine Aufgabe ist, weiterhin zu versuchen das Leben zu verstehen. Ich bin jetzt 22 Jahre alt, habe noch viel vor mir und bin mir sicher auf dem richtigen Weg zu sein, auch wenn ich weit davon entfernt bin das Leben jemals komplett zu begreifen.
    Wie standhaft diese Überzeugung ist, wird sich bei der nächsten Faust zeigen.

    Jeden falls bin ich froh, im Internet diesen Blog gefunden zu haben, um meine Gedanken auszutauschen. Auch wenn der Beitrag von dir schon älter ist, hoffe ich doch das du meinen Beitrag noch lesen wirst.

  15. Anne

    Wie wunderbar die Rilkezeilen zu Deinen Ansichten passen!
    Auf youTube habe ich beeindruckende Rilke-Beiträge gefunden. Ann

  16. roy

    es ist sehr wohl möglich, das leben zu verstehen.
    auch ohne sich in mystifizierende Metaphern des Glaubens zu stürzen.
    die problemtatik für die menschen liegt nur im allgemeinen darin, dass sie so dringend Grund oder Sinn suchen. Fixpunkte der Kausalität. Wegen etwas-> oder ->für etwas…hauptsache, irgendwas steht fest und ist richtig und falsch 🙂
    so funktioniert ja auch das sein. unsere wahrnehmung arbeitet damit und nur so können wir uns in der bewegung entscheiden. perspektivisch individuell nach besser und schlechter.
    dabei ist keine perspektive allgemeingültig richtig.
    das beispiel liegt hier auf der hand:
    „wir finden eh keine antwort, lasst uns einfach leben“ <- könnte man als aufgabe bezeichnen.
    "wir finden eh keine antwort, lasst uns einfach leben" <- könnte man als erkenntnis bezeichnen.

    wir bewerten immer. die form dessen, was wir tun, was jeder immer und allgegenwärtig tut, ist mit ein wenig analysieren doch erkennbar.
    sinn und grund allerdings sind paradox. keine fixpunkte, sondern bewegliche, sich gegenseitig bedingende bedingungen.
    ich weiss, dass ich nichts weiss?
    so in etwa.

    mit dieser ehrlichsten relativität zu leben widerspricht der vergangenheit.
    aber wir werden sehen, wohin die evolution uns führt.
    ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass sich die kausalitätsform der wahrnehmung weiterentwickelt.
    denn auch das zeigt ein blick in die vergangenheit.

    es wäre interessant mal jemanden zu treffen, der mit der ehrlichkeit von relativer perspektive entscheiden kann.
    jemand, der sich der wahren motivation seiner selbst bewusst ist und gleichzeitig weiss, dass jede bewertung, die zur entscheidungsfindung getroffen wird, aus einer ehrlichen perspektive nicht durchführbar wäre.

    jemand, der sieht, dass man aus der schnittmenge der formen von unterschieden wahrgenommenen motivationen sogar moral generieren kann, die ziemlich gut funktionieren könnte.

    whatever…wenn irgendjemand mein geschwätz versteht, interessant findet und NICHT aufhören will zu denken:
    ich mag die reibung von anstrengenden konversationen.

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