Trauriges Ich

Aug 25, 2010 von

„Deine Traurigkeit ist der dunkle Samt, auf dem die Juwelen deines Lebens leuchtend funkeln. So wird dir sichtbar, über welch reiche Schätze du verfügst.“

– Helen Ambach

Traurigkeit gehört zu den Gefühlen, die die meisten Menschen gerne verdrängen oder überspielen. Lieber schnell an was Schönes denken oder einen lustigen Film anschauen. Und wenn jemand im Umkreis traurig ist, versuchen wir, ihn oder sie abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen.

Ich versuche seit einiger Zeit, ein anderes Verhältnis zu meiner Traurigkeit zu bekommen: Ich lerne, sie anzunehmen und zuzulassen und den Schmerz und das Ziehen ganz bewusst zu erleben. Das tue ich nicht, weil ich Masochistin bin, sondern weil ich immer wieder feststelle, wie viel sich in der Traurigkeit finden lässt: Inspiration, Tiefe und vor allem sich selbst.

Manchmal bin ich scheinbar grundlos traurig. Ich brauche dann immer eine gewisse Zeit, bis ich auch das annehmen kann. In einem ersten Impuls will ich mich schelten nach dem Motto: „Mensch, dir geht es so gut, wie kannst du eigentlich traurig sein?“ Aber ich halte dann inne und versuche mir die Traurigkeit zu erlauben.

Und diese Erlaubnis ermöglicht mir dann immer wieder ein Stück Selbsterkenntnis. Meine Traurigkeit anzunehmen, heißt auch mich anzunehmen. Und das tut gut, auch im Schmerz.

Traurigkeit zeigt uns, was uns wichtig ist. Sie macht uns bewusst, was wir vermissen, wonach wir uns sehnen und was uns fehlt. Traurigkeit schenkt uns Tiefe, denn sie bringt uns dazu, uns mit der Vergänglichkeit der Dinge zu beschäftigen und auch mit Grenzen. Grenzen, die entstehen, weil wir nicht alles (haben) können, nicht alles erreichen können, nicht alles verändern oder kontrollieren können.

Traurigkeit darf sein und in diesem Ja steckt die Kraft, sie auszuhalten.

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3 Kommentare

  1. Liebe Tania! Ich bin begeistert von dieser Seite! Sooo viel Inspiration, man fühlt deine Liebe zum Detail. Gibt es deine Texte auch zu kaufen? Sie geben mir Kraft und Mut, in meiner sehr schweren privaten Situation zurecht zu kommen. Vielen vielen Dank!

    ______________________

    Liebe Petra,

    herzlichen Dank für die Rückmeldung! Es gibt noch einige Bücher von mir zu kaufen – einfach oben im Menü mal auf „Bücher“ klicken. Und ich plane noch weitere Buchprojekte, die dann hier angekündigt werden.

    Herzlich,
    Tania

  2. Ulrike

    Liebe Tania,ich bin faziniert von deiner web seite, vorallem von deiner Fotogalerie ( grad die Aufnahmen von den Schmetterlingen hat mir gut gefallen da brauch man eine sehr gute Kamera dafür. Ich selber bin Hobbyfotograf und hab eine kleine Kamera ,die reicht mir aber auch.Hab auch schon paar Tieraufnahmen gemacht,
    und sie dann mit dem Computer bearbeitet, und jetzt hängen sie an der Wand in meinem Wohnzimmer.
    Wenn ich einmal traurig bin,dann reicht es manchmal schon ,deine schönen Aufnahmen anzusehen.
    Hab Vielen Dank dafür!

  3. Sylvia

    Hallo Tania,

    das Thema Traurigkeit passt für mich sehr gut zum Thema Annehmen.
    In den letzten Jahren habe ich festgestellt, je mehr ich mich gegen Gefühle (vorallem negative) wehre, umso mehr Nahrung gebe ich ihnen und dann dauert es viel länger bis sie wieder verebben.
    Zu Verstehen und Wissen, dass das Leben keine gerade Linie ist, sondern in Wellen passiert, mal oben und mal unten, macht für mich vieles erträglicher.

    Danke für Deine Gedanken, Dir ein schönes Herbst-Wochenende
    Liebe Grüße
    Sylvia

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