Zurück schauen

Apr 3, 2011 von

„Erinnerung ist die Kraft, im Winter Rosen zu pflücken.“

Anonym

Gehören Sie auch zu den Menschen, die gerne in Erinnerungen schwelgen? Oder sind Sie mehr ein Gegenwarts- oder auch Zukunftsmensch, der sich sagt: „Was gestern war, ist vergangen“?

Ich gebe es offen zu: Ich liebe es, hin und wieder sehr bewusst meinen Erinnerungen nachzuhängen. Für mich ist das, was ich erlebt habe, ein riesiger Schatz, der mich unendlich reich macht. Mir zurückzurufen, was ich alles schon gemacht, gesehen, gehört und gefühlt habe, lässt mich mein Sein auf eine ganz besondere Weise bewusst wahrnehmen.

In vielen Ratgebern und spirituellen Büchern geht es darum, im Hier und Jetzt zu sein. Diese Fähigkeit ist sehr kostbar, keine Frage. Aber warum kann ich im Hier und Jetzt nicht hin und wieder auch an das Gestern denken?

Warum sollte ich nicht noch einmal von dem kosten, was mich glücklich machte, was ich spannend fand, was mir viel gegeben hat? Warum sollte ich nicht noch einmal lachen können über Witziges und weinen über Trauriges? Und warum nicht ab und zu auch mal wieder abtauchen in die Löcher, in die ich schon einmal gefallen bin, um wieder zu spüren, was da ist an Schmerz, Enttäuschung und auch Angst.

Bin das nicht alles ich – macht mich das nicht alles aus? Gehört das nicht alles zu meinem Leben?

Ich sehe es wie der unbekannte Verfasser des obigen Zitates: Im Sich-erinnern-können liegt ein ganz besondere Kraft. Und das Bild, im Winter Rosen pflücken zu können stimmt für mich im doppelten Sinne: Unsere Erinnerungen können uns verzaubern, aber auch verletzten – beides liegt sehr nah beieinander.

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3 Kommentare

  1. Detlev

    Hallo Tania,

    bin beim Stöbern gerade über Deinen Gedanken zum Zurückschauen gestolpert ;o).

    Ja, natürlich ist was gestern war vergangen. Das ist die Natur unseres Lebens. Alles entsteht und vergeht. Manchmal bin ich froh darüber und manchmal hätte ich das Vergangene gerne noch etwas länger genossen. Die Vergangenheit ein riesiger Schatz – ein schönes Bild das Du da zeichnest. Alles Erlebte formte uns zu dem Menschenkind, welches wir jetzt gerade sind. Ich denke allein aus diesem Grunde kann es hilfreich sein ab und zu einmal zurückzuschauen. Es kann helfen zu verstehen warum wir sind wie wir sind, warum uns manche Dinge leicht, andere Dinge schwer fallen. Alle unsere Fähigkeiten haben wir in der Vergangenheit erlernt. Mein Eindruck ist, dass Menschen wie Du, die es lieben den eigenen Erinnerungen nachzuhängen, mit dem Leben einverstanden sind. Damit meine ich nicht, dass sie über jede Situation glücklich sind, vielmehr scheinen sie mir damit einverstanden, dass das Leben eben so ist wie es ist. Eine bunte Mischung aus sonnigen und trüben Tagen und jeder Tag macht sie reicher. Was die spirituellen Bücher betrifft, so habe ich manchmal den Eindruck, dass vieles sich zu wiedersprechen scheint. Ich finde auch das es gut klingt im Hier und Jetzt zu sein. Meine Versuche diesbezüglich haben oftmals zu einer gewissen inneren Ruhe und Frieden geführt, was ich natürlich sehr angenehm fand. Allerdings finde ich mich bisher damit ab, dass ich das im Hier und Jetzt zu sein, nicht wirklich verstanden habe. Jede Regung in mir scheint mir eine Reaktion auf den Augenblick der jetzt gerade vergangen ist. Und wenn ich erkenne, dass ich gerade ruhig bin, dann erkenne ich doch eigentlich nur, das ich bis eben ruhig war. Vielleicht bin ich es noch eine Weile länger, vielleicht auch nicht. Auf alle Fälle scheint es mir so, dass ich dem Erfahren des Lebens immer etwas hinterherhinke. Zumindest dem bewussten Teil des Erlebens. Und wie ich etwas erlebe, dürfte wiederum mit meiner Vergangenheit zusammenhängen. So denke ich, dass das „Leben im Hier und Jetzt“ kein Allheilmittel ist. Es kann hilfreich sein, keine Frage. Ich meine, der Blick in die Vergangenheit muss genauso ein Bestandteil des Lebens sein wie der Blick in die Zukunft und „das Leben im Hier und Jetzt“. Ich frage mich gerade, ob das Fotografieren nicht auch so eine Art ist Zurückzuschauen. Bestimmt ist es das. So schließt sich der Kreis. Ein Foto kann wie eine Ehrerweisung des Augenblicks und der Vergangenheit sein.
    Ich danke Dir für den Gedankenanstoß
    Detlev

  2. Tania

    Hallo Detlev,

    wie immer, denke ich, liegt das Maß irgendwo in der Mitte. Ich neige tatsächlich manchmal dazu, zu sehr in der Vergangenheit zu leben. Das kann einen sehr unfrei machen für das, was ist und kommt. Aber ich möchte, wie geschrieben, meinen reichen Schatz an Erinnerungen auch nicht missen. Entscheidend ist, glaube ich, an der Vergangenheit nicht festzuhalten, sondern sie wirklich sein lassen zu können, um weiterzuziehen.

    Und was die Fotografie angeht: Ja, man kann es sicher als Zurückschauen sehen. Aber Fotos lösen ja beim Anschauen auch immer etwas beim Betrachter aus, was gar nicht viel mit dem tatsächlich Dargestellten zu tun haben muss. Und dann wirken Fotos eher im „Hier und Jetzt“, oder?

    Herzlich,
    Tania

    • Detlev

      Hallo Tania

      Ja, ich denke auch dass Fotos auf sehr vielfältige Art wirken können. Je nachdem wer sie anguckt, wann man sie an anguckt u.s.w.. Und dann wirken sie im „Hier und Jetzt“. Die „Wirkung“ ist wohl immer im „Hier und Jetzt“. Überhaupt frage ich mich gerade, ob Gefühle und Gedanken nicht immer im „Hier und Jetzt“ sind. Selbst wenn wir über die Vergangenheit nachdenken oder Pläne für die Zukunft schmieden, dann tun wir das doch in diesem Augenblick. Wir verlieren dabei möglicherweise die Aufmerksamkeit für das was um uns herum gerade passiert, aber wenn dass bedeute, nicht im „Hier und Jetzt“ zu leben, dann geht das „Hier und Jetzt“ wohl nur ohne Gedanken. Ach ja, Du siehst, der Zugang zum „Hier und Jetzt“ will sich mir nicht so recht erschließen ;o). Ich stimme Dir auch in diesem Punkt zu, das Maß liegt irgendwo in der Mitte. Und vielleicht ist das „Hier und Jetzt“ ja auch irgend so eine Mitte ;o).

      Ich wünsche Dir eine schöne Zeit
      Detlev

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