Malerei

Im letzten Sommer bahnte sich etwas in mir seinen Weg, von dem ich selbst nicht gewusst hatte, wie stark es in mir ist.

Ich lebe ja auf dem Land auf einem Grundstück, auf dem ein altes Schulgebäude steht. Ein großes Haus mit vielen Zimmern, von denen ich bisher nur wenig nutzte. Nun war (und bin!) ich ja aber dabei, mich immer mehr zu entfalten. Was lag näher, als mir auch mehr Raum nicht nur für mein Sein, sondern auch für mein Tun zu nehmen?

Schon immer hatte ich von einem großen Kreativ-Raum geträumt und beschloss, mir ein Atelier einzurichten. Zu Beginn war das allerdings leichter gesagt als getan. Da war dieser große ungefüllte Raum, in dem noch alte Geister wohnten. Obwohl das alles mir gehört, fühlte es sich noch nicht als „meins“ an und ich musste erst in dieses Gefühl hineinwachsen und mir den Raum regelrecht erarbeiten.

Dazu, den ersten Gegenstand, es war eine kleine Feldstaffelei, in den leeren Raum zu stellen, wurde ich tatkräftig von dem Mann an meiner Seite ermutigt, ich selbst konnte diesen ersten Schritt allein nicht gehen. Dann fügte ich mein Holzpferd-Modell und ein Sitzkissen dazu und versuchte, ein Gefühl für den Raum und seine Möglichkeiten zu bekommen.

Nach und nach stellte ich einiges mehr auf: meinen Maltisch und Regale. Dann brachte ich meine Farben hoch, leere Leinwände und Blöcke. Nun stand also mein Atelier bereit,  und ich zeigte es stolz einer lieben Freundin. Die sagte dann zu mir: „Das ist ja alles ganz schön so, aber wo bist Du?“

Damit hatte sie genau den entscheidenden Punkt getroffen: Ich hatte zwar den Raum eingerichtet, war aber selbst noch nicht eingezogen. Also begab ich mich auf die Suche nach mir und dem in mir, was dieses Atelier haben wollte. Dazu zog ich meine alten Kunst-Mappen aus der hintersten Ecke, in die ich sie verschoben hatte. Große Mappen, in denen ich Bilder gesammelt hatte, die ich über die Jahre gemalt hatte.

Ich hatte keine Ahnung gehabt, was dort auf mich wartete. Es waren Hunderte von Bildern. Hunderte!

Ehrlich gesagt hatte ich vollkommen verdrängt, was ich alles gemalt hatte und auch, dass vieles davon nicht schlecht war. Als ich all die Zeichnungen, Skizzen und Malereien auf dem Boden ausbreitete, dämmerte mir, dass mein Weg auch ein ganz anderer hätte sein können, wenn ich mich z.B. an einer Kunsthochschule beworben hätte.

Das Thema „Kunst“ war aber für mich von früh an durch meine Eltern besetzt, die an der Hochschule der Künste in Berlin studiert hatten. So suchte ich mir das Schreiben als Ausdrucksform. Aber dennoch hatte ich immer auch gemalt, das aber vor allem heimlich still und leise, gut geschützt und versteckt, vor allem vor mir selbst. Ich habe dann viele der Bilder in dem leeren Raum aufgehängt, Bilder aus all meinen kreativen Phasen. Und damit kam Leben in mein Atelier und die Malerin in mir trat kraftvoll hervor, um sich zu zeigen und endlich den Raum zu bekommen, der ihr zusteht. Als ich wieder zum Pinsel griff, war das ein Gefühl wie nach Hause zu kommen. Ich spürte mit jeder Faser: dafür bin ich gemacht.

In der Folge füllte sich schnell der vormals leere Raum. Ich kann ihn nicht nur nutzen, sondern ja, ich fülle ihn tatsächlich. Ich tanze in diesem Raum zwischen meinen Bildern und schwelge in Farben, Formen und Selbstausdruck, ich experimentiere und wachse und fliege.

Nun möchte ich meine kreative Spielwiese hier im Netz nicht länger nur dafür nutzen, meine Fotos und Texte zu zeigen, sondern auch meine Bilder. Vielleicht könnten diese Sie ähnlich anregen und inspirieren – ich würde mich freuen!

Stöbern Sie z.B. mal hier oder hier oder auch hier. Drucke meiner Bilder können Sie hier kaufen.



5 Kommentare

  1. Was machst du mit all den Bildern?

    Alex

    • Tania

      Aufhängen, zeigen, lieb haben, ein gutes Zuhause suchen 😉

      Spaß beiseite, ich bin dabei mir eine kleine Galerie einzurichten und dort werde ich meine Bilder auch anbieten.

      Herzlich,
      Tania

  2. Hallo Tanja,

    danke für diesen schönen Beitrag. Ich kenne das auch, dass man einen großen Raum zur Verfügung hat und ihn sich erst einmal „erarbeiten“ muss. Ich stelle dann die Möbel und Accessoires an immer wieder verschiedenen Stellen auf und schaue wie es im Gesamteindruck wirkt. Das ist dann stark vom eigenen Bauchgefühl abhängig. Mit den aussagekräftigen Fotos kann man sich das Atelier vorher und nachher gut vorstellen. Sehr praktisch, wenn man so viel Platz im Haus zur Verfügung hat…

    Liebe Grüße, Stefan

  3. Da hast du aber eine Menge Bilder gesammelt.
    So einen Raum für Kunst, freies Denken und kreative Entfaltung (Atelier) hätte ich auch gerne. Es engt irgendwie ein, wenn man zwischen Fernseher und Esstisch sitzt und Dinge erschaffen soll. Ein Ort frei von Technik und Schnickschnack wäre super für die Kreativität und für den Kopf!

    • monika geitner

      Lieber Timo!
      Ungewollt, spontan Dich gelesen. Du bist doch nicht neidisch auf Tania? Manchmal hilft auch die Natur und weitet im Spaziergang oder Park. Vielleicht hast Du auch einen Keller? Aber eigentlich muss man nur die Augen schließen und die ganze Welt im Kopf sich vorstellen, dann passiert manchmal so ein kreativer Moment. Von Außen ist es nicht so abhängig wie Du denkst. Da draußen, da sucht es der Tor, Du bringst es ständig selber hervor… ich glaube, dass war Hesse.
      Lass Dich doch auch durch Kommunikation in einen liebevollen kreativen Rausch versetzen. Alles ist möglich, glaube mir….. herzlichst Monika

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